100 Jahre Ev. Kirche

Aus der Festschrift "100 Jahre Evangelische Kirche in Wahlschied"
1903 - 2003

Zur Pfarrei Wahlschied

Wer die kleine evangelische Kirche in Wahlschied kennt, wird kaum ahnen, welch lange Vergangenheit diese Kirche hat. Denn sie ist erstmals um 1330 in den "Taxa gereralis" erwähnt. Die Ritter Boemund, Johannes und Nikolaus von Dagstuhl hatten die Kollatur der Kirche. So forderten sie den Archidiakon von Merzig mit Datum vom 14. Mai 1339 auf, den Subdiakon Jakob vom Grünhaus der Gemeinde als neuen Pfarrer von Wahlschied zu präsentieren, nachdem Johannes von Dagstuhl auf sein bisheriges Pfarramt in Wahlschied verzichtet hatte.

Die Kollatur der Wahlschieder Kirche St. Willibrord, zu der Lummerschied gehörte, wechselte noch im 14. Jahrhundert von den Dagstuhlern an den Deutschen Orden. Graf Philipp II. von Nassau-Saarbrücken erwarb 1548 die Dörfer Wahlschied und Lummerschied. Danach wurde die lutherische Kirchengemeinde pfarramtlich mit Heusweiler verbunden. Auch nach Einführung des lutherischen Bekenntnisses behielt der Deutsche Orden die Hälfte des Zehnten in Wahlschied. Die Verbindung mit Heusweiler wurde erst in der Amtszeit des Heusweiler Pfarrers Karl Wilhelm Gustav Weber gelöst. Wahlschied wurde zusammen mit Holz mit Wirkung vom 1. April 1896 zur Pfarrei erhoben, der bisherige Pfarrverweser Friedrich Karl Schneider zum ersten Pfarrer ernannt. Die seit 1739 nachweislich zahlreich vertretenen katholischen Christen wurden 1803 nach Wiesbach gepfarrt.
Quelle: Gedanken über Gott und die Welt, von Dr. Joachim Conrad

Zur Vorgeschichte

Die erste Kirche in Wahlschied war dem heiligen Willibrord (gest. 739) geweiht und war aller Wahrscheinlichkeit im romanischen Stil gebaut. 1200 entstand, nach Angaben von Pfarrer Gebhard, eine Kirche in gotischem Stil. Sie wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Da die Mauern stehen geblieben waren, wurde sie nach 1648 wieder aufgebaut.
Ein im Jahre 1731 erstelltes Gotteshaus (siehe Bild ) ist 1901 im Rahmen der Neubaumaßnahme abgerissen worden.

1560 oder 1564 trat Pfarrer Braun von Wahlschied mit seiner Gemeinde zur Lutherischen Kirche über. Aber schon bald danach wurde, wie aus einem Beschluss vom 21. Januar 1576 hervorgeht, die Pfarrstelle Wahlschied wegen Armut aufgehoben. 220 Jahre lang war sie dann eine Filiale von Heusweiler. 1895 verfügte das Landeskirchenamt die Ablösung von Heusweiler und zum 1. April 1896 erfolgte die Aufteilung in die zwei selbständigen evangelischen Kirchengemeinden Wahlschied und Holz mit Amtssitz in Wahlschied.

Baugeschichte der Kirche bis zur Grundsteinlegung

Mit der Gründung der Pfarrei Wahlschied Holz begann gleich ein langwieriger Kirchbaustreit. Man hatte sich nach langem Hin und Her darauf geeinigt, dass die alte Kapelle erweitert werden sollte. Die Entzweiung muss aber so tief greifend gewesen sein, dass dieses Unternehmen in Frage gestellt und zuletzt fallengelassen werden musste. Die beiden Gemeinden fanden sich nicht mehr zusammen, so dass beide Gemeinden ein neues Gotteshaus erhielten. Die Holzer erbauten ein solches 1899 1900, und die Wahlschieder 1901 1903.
Schon seit 1894 wurden freiwillige Beiträge gesammelt. Deputierte der Gemeinde fuhren nach Berlin und erhielten dort 1896 die Genehmigungen für eine Kirchenkollekte und 1897 für eine Hauskollekte, bei denen eine Summe von 13.000 MK zusammen kam. Der in Wahlschied gegründete Kirchbauverein übernahm es, die nötigen Steine in der "Hahnheck" zu brechen und anzuliefern (sie erwiesen sich später als unbrauchbar und wurden verkauft).
Die Gemeinde erhob ab 1897 eine jährliche Umlage von 500 MK. Der Gustav-Adolf-Verein gab in 5 Jahren 1200 MK. Die Gemeinde erhielt außerdem ein allerhöchstes Gnadengeschenk des Kaisers von 10.000 MK.

Am 23.01.1901 hat die königliche Regierung zu Trier den Bauplan und den Kostenvoranschlag genehmigt. So konnte denn 1901 mit dem Neubau der Kirche begonnen werden.
In einer Sitzung des Presbyteriums am 09.02.1901, unter Leitung von Pfarrer Karl Schneider, wurde beschlossen, dass die bei der Ausschachtung zu entfernenden Reste von Grabstätten von Gemeindemitgliedern in einem Massengrab auf dem jetzigen Friedhof bestattet werden sollen. Die abzutragenden Materialien, die noch zum Neubau verwendbar waren, sollten in gebührender Entfernung ordentlich aufgesetzt werden. Der Abbruch der Ringmauer um die alte Kapelle ist von Gemeindemitgliedern im Frondienst geschehen.
Im April 1901 wurde die Firma Jean Michel in Wahlschied mit dem Abbruch der alten Kapelle beauftragt, sowie Erd- und Mauerarbeiten ausgeschrieben.

So konnte am 28. Juli 1901 die Grundsteinlegung erfolgen, bei der ein Bleikasten, zur Aufnahme verschiedenster Dinge, versenkt wurde.

In diesem Bleikasten befanden sich:

Münzen in Silber, Nickel oder Kupfer,
Tageszeitungen
(z.B. Saarbrücker Zeitung Nr. 209 v. 27.07.1901, od. der "Bergmannsfreund", Nr. 84 v. 27.07.1901),
ein Gesangbuch,
ein Katechismus und
eine Bibel aus der damaligen Zeit. Auf der Innenseite der Deckplatte war (lt. Aufzeichnung) eingraviert:

Angefertigt im Jahre 1901 durch J.N. Heinz, P. Armbrust, P. Wolf, P. Lang.

Jesaja 28, v.16
Darum spricht der Herr, "Herr: Siehe ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein, einen köstlichen Eckstein, der wohl gegründet ist. Wer glaubt, der flieht nicht".

Einweihung

Über die Einweihungsfeier am 04. Januar 1903 kann leider nicht viel berichtet werden, weil darüber jedwedes Aktenstück fehlt. Selbst aus den Protokoll- oder Lagerbüchern ist nichts auffindbar.

Nur durch Hörensagen ist bekannt, dass eine Frau Beate Hunsicker geb. Altpeter den Schlüssel auf einem Kissen von der Schule Grünstraße zur Kirche getragen hat. Dabei war auch eine Frau Sophie Altpeter, geb. Büch und eine Sophie König geb. Walther. Der Superintendent habe dann aufgeschlossen. Es fand ein Gottesdienst statt, bei dem der Kirchenchor und die Bergkapelle Göttelborn mitwirkten.

Bei der Einweihung der jetzigen Kirche am 04.01.1903 hat die Kaiserin Augusta Victoria eine Altarbibel mit eigenhändiger Unterschrift gestiftet. Sie liegt noch heute auf dem Altar in Wahlschied.

3 Glocken

Von den ersten Glocken im Turm der Kirche ist nur zu berichten, dass sie im 2. Weltkrieg abgeliefert werden mussten. Es waren drei Bronceglocken mit den Gewichten, 549 kg, 318 kg und 235 kg, erstellt von Rincker, Sinn.
Am 30. Juni 1921 sind durch Pfr. Reimer beim "Bochumer Verein 1921" drei Glocken mit den Tönen g, b und c bestellt worden, die nachfolgende Inschriften tragen:

Glocke von 1280 mm Ø (Ton g):

HERR GOTT, DU BIST UNSERE ZUFLUCHT FÜR UND FÜR
PS 90,1

Glocke von 1018 mm Ø (Ton b):
Vorderseite: GOTT IST NICHT DER TOTEN,
SONDERN DER LEBENDEN GOTT;
DENN SIE LEBEN IHM ALLE !
LK. 20,38 Rückseite: UNSERN IM WELTKRIEGE GEFALLENEN !

Glocke von 890 mm Ø (Ton c):

JESUS SPRICHT :
KOMMET HER ZU MIR ALLE; DIE IHR MÜHSELIG
UND BELADEN SEID,
ICH WILL EUCH ERQUICKEN.
MATH. 11,28

1947 - 1959

Als Pfarrer Gebhard seine Tätigkeit in Wahlschied begann, fand er ein recht verwahrlostes Gotteshaus vor, baulich gesehen, voller Schäden und Risse.
Er fand dann auch bald ein Aktenstück, das noch der Vorgänger Pfr. Eden anlegte und Akten über Bergschäden der Kirche enthielt, besonders ein Schreiben, das er danach mit dem Presbyterium an die Bergschädenabteilung richtete.

Durch Weggang Pfr. Edens 1948 und die einjährige Vakanzzeit ist alles liegen geblieben. Pfr. Gebhard griff nun mit dem Presbyterium die Frage wieder auf. Trotz vielfältiger Bitten und Eingaben an den damaligen Markscheider die entstandenen Risse zu beseitigen, wurden immer nur Bolzen eingeschlagen und Messungen vorgenommen. Es blieb aber alles beim Alten.

Da das Gebäude baufällig geworden war, musste verantwortlich gehandelt werden. Das Gebäude sollte der Gemeinde erhalten bleiben. So sah sich das Presbyterium genötigt, 1952 einen Prozess gegen die Saarbergwerke zu führen. Derselbe zog sich bis 1956. Nach einer Berufung und einem erneuten Gutachten, dass es keine Bergschäden sein könnten, wurde der Prozess mit Billigung der Grubenverwaltung zurückgezogen.

Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass am 04. Januar 1953 die 50-Jahrfeier mit einem Festgottesdienst in der Evangelischen Kirche Wahlschied stattfand.
Der Festprediger war Pfr. Walter Schmidt aus Wadern-Lebach.

Grußworte sprachen:

Pfr. Schneider aus Heusweiler,
Amtsvorsteher Bender aus Heusweiler und
Bürgermeister Schiffler aus Holz.

Renovierung

1959 wurden Renovierungsarbeiten an der Kirche notwendig, die in drei Bauabschnitte im Rahmen eines Gesamtprojektes unterteilt waren.

Im ersten Bauabschnitt (Kosten ca. 113.000 DM) waren nach umfassenden Sicherungsmaßnahmen gegen Grubenschäden vor allem die Erweiterung der Sakristei, die Installierung einer Warmluftheizung, der Orgelumbau sowie die Neugestaltung des Kircheninnern (neuer Anstrich, neue Lampen, neuer Altar und neue Kanzel) erfolgt. Die Sakristei wurde im Rahmen dieser Sicherungsmaßnahmen wegen der schlechten Gründung abgerissen. Hierbei wurde vom Presbyterium der Ev. Kirche Wahlschied erwogen, mit dem Aufbau der neuen Sakristei einen Heizkeller für die vorgesehene, später einzubauende, Warmluftheizung zu schaffen. Die Sakristei ist in ihrer Größe, fast entsprechend der alten Umfassungswände neu aufgebaut, lediglich die architektonische Gestaltung wurde geändert. Ferner wurde der Zugang zur Kirche, der vorher über das Anwesen Gatter führte derart geändert, dass er durch einen Treppenaufgang direkt von der Straße zugänglich ist.

Bei diesen Maßnahmen wurde am 29. 04. 1959 der Grundstein gefunden. Er ist dann einen Tag danach um 09:50 Uhr im Beisein des Vorstandes geöffnet worden, denn man suchte die Baugeschichte und die Bauurkunde. Aber vergebens. Das Bleikästchen war sehr angegriffen. Durch schlechte Lötungen konnte Feuchtigkeit eindringen, sodass nur noch die Überbleibsel gerettet werden konnten, nämlich der Bleikasten selbst (LBH 36 x 25,5 x 23 cm) und die gereinigte Dose mit den Münzen.

Die durch Pfarrer Gebhard erarbeitete und Herrn Woll (Markscheiderei Göttelborn) mit Maschine geschriebene und durch Lichtpause hergestellte Baugeschichte mit rekonstruierter Bauurkunde (auch zu sehen in der Sakristei) wurde von Herrn Honecker am 14.05.1959 wieder zugelötet und am Freitag, dem 15.05.1959 wieder dem Grundstein einverleibt.

Eine Notiz von Pfr. Gebhard aus dieser Zeit besagt:

"So war es doch gut, dass wir den Grundstein geöffnet haben. Sonst hätten die späteren Generationen vor einem Nichts gestanden".

Im September 1960 wurde der zweite Bauabschnitt begonnen, der insbesondere die Reparatur der Turmhaube, die Neugestaltung von Hahn und Kreuz (ca. 18.000 Mark) und nicht zuletzt die Anbringung einer neuen Turmuhr umfasst. Nach dieser neuen Turmuhr, die zwar bestellt, deren Finanzierung aber noch nicht restlos "sichergestellt" war (sie sollte 8500 DM kosten), wurde von allen Wahlschiedern seit Jahren ungeduldig Ausschau gehalten. Sie wollten, nachdem die alte mechanische Uhr seit mehr als zwei Jahren "streikte", endlich mal wieder wissen, "was die Uhr geschlagen hat". Zwei genehmigte Hauskollekten lieferten den "Grundstock" für die Anschaffung der neuen elektrisch angetriebenen Turmuhr. Der dritte Bauabschnitt (Kosten ca. 14.000 DM) beinhaltete den Außenputz und die Gärtnerische Anlage.

In einem Schriftstück über die Generalüberholung der Evangelischen Kirche in Wahlschied heißt es zum Ausklang:

Nun möge Gott, der Herr, seinen weiteren Segen und Schutz auf dieses Haus legen, damit es allen Gewalten zum Trotz ein Bethaus bleibe, in dem sich eine ebenso mutige, frohe und gläubige Gemeinde versammeln möge.

Letzte Renovierung

1995 wurden am Kirchengebäude Renovierungen vorgenommen. Grubenschäden hatten das Gotteshaus derart in Mitleidenschaft gezogen, dass es dringend saniert werden musste. Von überall her drang Wasser ein. Der Verputz im Innern der Kirche bröckelte großflächig ab. "Wir haben handeln müssen", so Baukirchmeister Harry Kleiber.
Es wurde zunächst der Sockel von einem Sandsteinfachmann saniert. Die maroden Sandsteine wurden ausgetauscht und durch neue ersetzt. Eine aufwändige Sache. Der Verputz wurde abgeschlagen, die Risse verpresst und die Fassade neu verfugt.
Das Schieferdach musste komplett neu eingedeckt werden. Die Einfassungen der Kirchturmuhren und der Dachrinnen wurden neu gefasst, der Glockenstuhl wurde abgestrahlt und erhielt einen neuen Anstrich, das Mauerwerk um das Kirchengelände herum wurde teilweise erneuert.
Kirchenrechner Günter Angert bezifferte die Kosten für diese Renovierung auf runde 400.000 DM. Bis auf einen Zuschuss in Höhe von 40.000 DM von Saarberg, mussten die Kosten von der Gemeinde alleine getragen werden.

Am 3. Advent 1999, zwischen 10:00 Uhr und 10:15 Uhr, fiel, gottlob ohne große sonstige Schäden anzurichten, der Wetterhahn durch einen Sturm von der Turmspitze direkt vor die Eingangstür. Das Standrohr, auf dem der Wetterhahn thronte, wurde zwar innerhalb der vorangegangenen Renovierung überprüft, hatte aber dennoch dem Wind nicht standhalten können. Im Nachhinein müssen wir froh und dankbar darüber sein, dass kurz zuvor der Gottesdienstplan korrigiert wurde und der ursprünglich für Wahlschied an diesem Tag vorgesehene Gottesdienst nach Holz verlegt worden ist; Gottesdienstbesucher in Wahlschied wären einer großen Unfallgefahr ausgesetzt gewesen.

Übersichten

Kirchbau

23. 01. 1901 Genehmigung des Bauplans
23. 05. 1901 Absteckung des Bauplatzes
28. 07. 1901 Grundsteinlegung
04. 01. 1903 Einweihung
04. 01. 1953 50 jähriges Bestehen
23. 10. 1958 Baubeginn der Generalüberholung
30. 04. 1959 Öffnung des Grundsteines
15. 05. 1959 Grundsteinschließung nach Ergänzung des Inhaltes
1995 Letzte Renovierung (Außenputz, Dach)

Pfarrer der Gemeinde ab 1896

1896 1902 Karl Friedrich Schneider
1904 1907 Friedrich Wilhelm Feskorn
1907 1912 Friedrich Aschoff
1912 1927 Wilhelm Reimer
1928 1943 Martin Simenus
1944 1948 Gerhardt Eden
1949 1962 Emil Gebhard
1962 1969 Wolfgang Fleischer
1969 1976 Ewald Bickelmann
1977 1985 Gerhard Tiel
1986 ???? Jens Wilke

WetterOnline
Das Wetter für
Wahlschied

Kontakt | Impressum | Inhalt | Suchen

Diese Website benutzt Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis zu ermöglichen. Weiterführende Informationen erhalten Sie in unserer Datenschutzerklärung.